Nach einigen problematischen Vorfällen wird die junge Jonny (Kiah McKirnan) von ihrem Vater zu ihrer exzentrischen Tante Hildie (Alicia Silverstone) geschickt. Die aufmüpfige Schülerin soll „auf die rechte Bahn“ gebracht werden. Aber auch in ihrer neuen Schule eckt Jonny an. Da werden in der bedrohlich wirkenden Stadt rätselhafte Fälle vermisster Mädchen bekannt.
Jonny wird plötzlich mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert. Zumal sie pünktlich zum 18. Geburtstag erfährt, dass sie Teil eines geheimnisvollen Familienerbes mit übernatürlichen Kräften ist. Die junge Frau kann die Identität anderer Menschen übernehmen und deren Perspektiven erleben. Mit dieser faszinierenden und zugleich zutiefst verstörenden Fähigkeit könnte Jonny auch den verschwundenen Mädchen näherkommen – und möglicherweise dem Täter...
Grelle Farben, surreal angehauchte Bilder und eine bewusst blutige Herangehensweise ans Coming of Age-Genre bestimmen diesen Empowerment-Body-Horrorfilm von US-Avantgarde-Regisseurin Jennifer Reeder. Dass ein Mädchen zum 18. Geburtstag eine raubtierhafte Natur entwickelt, erinnert dabei an die kulturgeschichtlich bekannte Metamorphose des Menschen zum Vampir - und damit in eine neue, körperliche Form von Macht und Identität.
Besonders deutlich werden die Parallelen durch die Verwendung vampirischer Bildmotive wie Fangzähne und gesteigerte Instinkte. Anders als im klassischen Vampirfilm stehen in Reeders Film jedoch nicht Blutdurst und Untod im Vordergrund, sondern Fragen nach Selbstermächtigung, weiblicher Identität und dem Erwachsenwerden. Der Film nutzt damit die Symbolik des Vampirs als Metapher für die Erfahrung von Transformation und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Jennifer Reeder hat hier Elemente des Vampirgenres aufgegriffen und sie für eine zeitgenössische, feministische Erzählung neu interpretiert.
Mit ihrer dezidiert feministischen Perspektive schafften es Reeders Arbeiten auf zahlreiche internationale Festivals und Kunstschauen. "Perpetrator" mit seiner stellenweise hypnotischen Anziehungskraft feierte seine Premiere in der Panorama-Sektion der Berlinale. Neben Alicia Silverstone ("Clueless") als herrlich schräge Tante überzeugt Kaitlyn Dever als Jonny mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und anarchischer Energie.
"Ein mit Gore-Elementen arbeitender, aber mehr auf eine verstörende, surreale Atmosphäre als auf schlichte Schreckmomente setzender Horrorfilm rund um eine weibliche Coming-of-Age- und Empowerment-Geschichte. Blut fungiert dabei als ambivalentes, symbolträchtiges Motiv, das von männlicher Gewalt gegen Frauen erzählt, motivisch aber auch an die Menstruation und die Entdeckung weiblicher Stärke rückgekoppelt wird." (Lexikon des Internationalen Films)